Die Grande Dame Hollywoods - ihre Bedeutung verdankt sie nicht Schlagzeilen und Skandalen, sondern Persönlichkeit, Ausstrahlung und nicht zuletzt großer Schauspielkunst.
Meryl Streep hat in ihrer beeindruckenden Karriere, die sich ihren Weg vom Theater zu Film und Fernsehen gebahnt hat, eine erstaunliche Bandbreite an Figuren porträtiert. Weltstar Streep, zweimal mit dem Oscar ausgezeichnet und mit der Rekordzahl von 13 Nominierungen geehrt, stand erstmals während ihres Studiums am Vassar College auf der Bühne - in der Titelrolle von Strindbergs 'Miss Julie'. Ein BegabtenAustauschprogramm führte sie nach Dartmouth, wo sie Stückeschreiben sowie Bühnen- und Kostümbild studierte.
Nachdem sie ihr Studium in Vassar mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, gewann sie ein Stipendium für die Yale School of Drama, machte dort ihren Master of Fine Arts und wurde als erste Frau in der Geschichte der Fakultät mit dem Carol Dye Acting Award geehrt.
Nach einem Sommer bei der O'Neill Playwrights Conference in Connecticut zog Streep nach New York und gab ihr Debüt in Joseph Papps Lincoln Center-Produktion von 'Trelawney of the Wells' mit Mary Beth Hurt und John Lithgow. Bereits in dieser ersten Saison nahm die Kritik Notiz von der Vielseitigkeit und dem großen Talent, das die Arbeit dieser Schauspielerin vom Beginn an ausgezeichnet hat. Sie wechselte ans Phoenix Repertory, wo sie unter anderem im Civil War- Melodram 'Secret Service', in Arthur Millers Einakter 'A Memory of Two Mondays und in Tennessee Williams' '27 Wagons Full of Cotton' auf der Bühne stand und dafür mit dem Outer Critics Circle Award, dem Theater World Award sowie einer Tony-Nominierung ausgezeichnet wurde.
Am Broadway spielte sie eine Hauptrolle im Brecht/Weill-Musical 'Happy End' und gewann einen Ob die für ihre Hauptrolle in der Off-Broadway-Produktion von 'Alice at the Palace'. Zu dieser Zeit gewann sie auch einen Emmy als Beste Schauspielerin für ihr Porträt einer verzweifelten Ehefrau in der kontrovers diskutierten 8-teiligen Mini-Serie "Holocaust" (1978).
Streep begann ihre Kino-Karriere als Jane Fondas Freundin in Fred Zinnemans JULIA (Julia, 1977). In ihrer zweiten Leinwand-Rolle spielte Streep mit Robert De Niro und Christopher Walken in THE DEER HUNTER (Die durch die Hölle gehen - The Deer Hunter, 1978) und erhielt ihre erste Oscar-Nominierung für ihre Darstellung einer jungen Arbeiterin aus Pennsylvania, deren einsames Kleinstadtleben unwiderruflich durch den Vietnamkrieg verändert wird.
Sie kehrte für einen Sommer zurück auf die Bühne und spielte an der Seite von Raul Julia in 'The Taming of the Shrew' in Joe Papps Central Park-Produktion. Während sie nachts Shakespeare am Theater spielte, stand sie tagsüber für Woody Allens MANHATTAN (Manhattan, 1979) vor der Kamera und spielte an der Seite Dustin Hoffmans in KRAMER VS. KRAMER (Kramer gegen Kramer, 1979). Diese Rolle als Hoffmans Ex-Frau wurde mit ihrem ersten Oscar als Beste Nebendarstellerin gewürdigt.
Bereits ihre nächste Rolle in Karel Reisz' THE FRENCH LIEUTENANT'S WOMAN (Die Frau des französischen Leutnants, 1981) brachte ihr ihre dritte Oscar-Nominierung und den British Academy Award ein. Im folgenden Jahr gewann sie den Academy Award als Beste Darstellerin für ihre herausragende darstellerische Leistung in der Titelrolle von Alan Pakulas Film SOPHIE'S CHOICE (Sophies Entscheidung, 1982). Darauf folgte eine weitere Nominierung für ihr Porträt der Aktivistin Karen Silkwood in Mike Nichols SILKWOOD (Silkwood, 1983).
1985 spielte Streep Hauptrollen in Fred Schepisis Leinwandadaption von David Hares PLENTY (Eine emanzipierte Frau, 1985) sowie in Sydney Pollacks OUT OF AFRICA (Jenseits von Afrika, 1985) wofür sie erneut für den Oscar als Beste Darstellerin nominiert wurde. Es folgten zwei Filme mit Jack Nicholson: Mike Nichols HEARTBURN (Sodbrennen, 1986) und IRONWEED (Wolfsmilch, 1987) von Hector Babenco, für den sie ihre siebte Oscar-Nominierung erhielt. Für Fred Schepisis A CRY IN THE DARK (Ein Schrei in der Dunkelheit, 1988) folgten Dreharbeiten in Australien, die ihr Auszeichnungen als Beste Hauptdarstellerin beim Filmfestival in Cannes und beim New York Film Critics Circle sowie einen AFI-Award und eine weitere Oscar-Nominierung einbrachten.
Der Preisregen setzte sich mit Golden Globe-Nominierungen für ihre Leistung in Susan Seidelmans SHE-DEVIL (Die Teufelin, 1989) und Mike Nichols POSTCARDS FROM THE EDGE (Grüße aus Hollywood, 1990) sowie einer Oscar-Nominierung für ihre Hauptrolle in letzterem fort. Nachdem sie in Europa für Bille Augusts Verfilmung des Isabel Allende-Romans THE HOUSE OF THE SPIRITS (Das Geisterhaus, 1993) vor der Kamera gestanden hatte, drehte sie in den USA den Actionfilm THE RIVER WILD (Am wilden Fluss, 1994), gefolgt von dem Emmy-gekrönten Fernsehfilm "First Do No Harm" (1994), den sie auch koproduzierte.
Ihre Arbeit in Clint Eastwoods THE BRIDGES OF MADISON COUNTY (Die Brücken am Fluss, 1995) wurde hochgelobt und erhielt Nominierungen der Screen Actor's Guild sowie für Golden Globe und Oscar. Im folgenden Jahr konnte man sie auf der Leinwand an der Seite Liam Neesons in Barbet Schroeders BEFORE AND AFTER (Davor und danach, 1996) und mit Diane Keaton und Leonardo DiCaprio in MARVIN'S ROOM (Marvins Töchter, 1996) sehen, mit dem sie sich eine weitere Golden Globe-Nominierung erspielte. Ihre Hauptrolle in ONE TRUE THING (Familiensache, 1998) neben Renee Zellweger wurde mit Golden Globe- und Oscar-Nominierungen sowie einer Goldenen Kamera geehrt.
1999 spielte Streep eine Geigerin in Wes Cravens MUSIC OF THE HEART (1999) und erhielt hierfür ihre zwölfte Oscar-Nominierung.
Meryl Streep und ihre Kolleginnen Nicole Kidman und Julianne Moore wurden gemeinsam auf der Berlinale 2003 mit dem Silbernen Bären für die Beste Weibliche Hauptrolle in dem Film THE HOURS (The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit, 2002) ausgezeichnet. Ihr exzentrisches Porträt der Susan Orlean in Spike Jonzes ADAPTATION (Adaptation, 2002) brachte ihr im gleichen Jahr auch noch einen Golden Globe Award for Best Supporting Actress sowie BAFTA und Oscar-Nominierungen ein. In Paris wurde ihre außergewöhnliche Karriere mit einem Ehren-Cesar und der Ernennung zum Commandeur de l'Ordre des Arts et des Lettres geehrt, der höchsten zivile Auszeichnung, die die französische Regierung zu vergeben hat.
Zu Streeps jüngeren Arbeiten zählen die Filme THE MANCHURIAN CANDIDATE (Der Manchurian Kandidat, 2004) und PRIME (Couchgeflüster, 2005) mit Uma Thurman sowie Robert Altmans A PRAIRIE HOME COMPANION (2006) mit Lily Tomlin und Lindsay Lohan. Demnächst wird sie in der New York Public Theatre-Produktion 'Mutter Courage' wieder auf der Bühne stehen.
Streep gehörte zu den Gründern von Mothers and Others, einer Verbraucherschutzorganisation, die 12 Jahre lang erfolgreiche Arbeit zum Schutz der Gesundheit von Kindern, für Umweltschutz und zur Unterstützung organischer und umweltvertäglicher Landwirtschaft leistete. Sie setzt ihre gemeinnützige Arbeit mit der Unterstützung des Center for Health and the Global Environment at Harvard Medical School sowie der Children's Health and Environment Coalition fort und engagiert sich für Equality Now, eine Organisation, die weltweit für die Rechte von Frauen und Mädchen eintritt. Sie ist seit 27 Jahren mit dem Künstler Don Gummer verheiratet, mit dem sie einen Sohn und drei Töchter großgezogen hat.