Unverschämt gut aussehend, charmant, distinguiert, großmäulig, selbstironisch: George Clooney braucht keine Blockbuster, um zu den Topstars in Hollywood zu gehören
George Clooney Superstar? Ohne Frage, neben Brad Pitt und Box-Office-König Will Smith gehört Clooney zu den führenden männlichen Stars im Filmbusiness. Doch wieso eigentlich? Wo sind die ganz großen Filme in der Karriere des George Clooney, wo die magischen Momente auf der Leinwand, an die sich Millionen ihr ganzes Leben erinnern, wo stapeln sich die Oscars, die Bären und die goldenen Palmen?
Der Status des 44-Jährigen gründet sich offenkundig auf andere Qualitäten. Kam er anfangs seiner Filmkarriere noch manches Mal als wilder Macho daher, so ist Clooney heute vor allem eines - der neue Cary Grant. Elegant, distinguiert, charmant und stets ein wenig selbstironisch: Dies sind Eigenschaften, nach denen man unter Hollywoods Leinwandhelden vergeblich suchen müsste, gebe es nicht eben diesen George Clooney. Der Sohn eines TV-Moderators verkörpert Hollywood wie kaum ein zweiter. Er ist liberal, großmäulig, intelligent, witzig und ungeheuer erfolgreich bei den Frauen, kurzum, George Clooney ist so, wie vermutlich alle Hollywood-Mogule selber gerne wären.
Und so verzeihen die Mächtigen Hollywoods "Gorgeous George" denn auch das, was normalerweise die einzige wirklich unverzeihbare Sünde im Filmbusiness ist: Misserfolg an den Kinokassen. Abgesehen von den "Ocean's"-Filmen kann Clooney keinen echten Blockbuster vorweisen. Die Filme, für die er selber als Regisseur, Produzent oder Drehbuchautor verantwortlich zeichnete, gingen an den Kinokassen grundsätzlich baden.
Auch Clooneys Weg nach Hollywood war lang und beschwerlich. Nach seiner Kindheit in einer Entertainerfamilie zog es George zunächst zu einer Laufbahn als Journalist. Doch diesen Versuch gab er ebenso auf wie die Idee, Basenballprofi zu werden.
Mit Anfang 20 ging Clooney dann zu seiner Tante, der Sängerin und Filmschauspielerin Rosemary Clooney, nach Hollywood. Doch trotz der prominenten Unterstützung brauchte Clooney lange, um endlich einen Einstieg in das TV-Geschäft zu finden. Sein erstes Dauerengagement hatte er in der Serie "Roseanne". Seinen Durchbruch erlebte der Nachwuchsschauspieler erst Mitte der 90er-Jahre als Kinderarzt Doug Ross in der Krankenhausserie "Emergency Room".
Erste Kinoerfahrung hatte Clooney bereits gesammelt: 1987 war er in "Return to Horror-High" zu sehen. Ein Jahr später unterbot er mit "Die Rückkehr der Killertomaten" dieses Niveau sogar noch. In der RomCom "Tage wie dieser" von 1996 spielte Clooney immerhin schon die Hauptrolle neben Michelle Pfeiffer.
Ein wichtiger Schritt in Clooneys Karriere war die Rolle als psychopathischer Gangster in Robert Rodriguez Horror-Komödie "From Dusk Till Dawn". Damit hatte gutaussehende Kinderarzt aus "Emergency Room" bewiesen, dass er auch als Tough Guy eine gute Figur abgab. Sein Versuch als Superheld hingegen war von weniger Erfolg gekrönt: Als Batman in Joel Schumachers "Batman und Robin" erzielte er das schlechteste Ergebnis aller bisherigen Batman-Filme.
1998 begann Clooney seine langjährige Zusammenarbeit mit Steven Soderbergh mit der Actionkomödie "Out Of Sight", in der Clooney einen hinreißenden Gangster spielen und Jennifer Lopez komplett den Kopf verdrehen durfte. Soderbergh und Clooney sollten anschließend noch "Solaris", die drei "Ocean's"-Filme sowie das Schwarz-Weiss-Werk "The Good German" miteinander drehen.
Spätestens nach "Out Of Sight" war Clooney in der ersten Liga der männlichen Stars angekommen, und der Schauspieler hatte die Aufmerksamkeit der besten Regisseure auf sich gezogen. So bekam Clooney eine der Hauptrollen in Terence Malicks berühmten Kriegsfilm "Der schmale Grat"; er war einer der "Three Kings" in David O. Russells Kriegsfilm von 1999 und er stand für die Coen-Brüder in "O Brother, Where Art Thou?" vor der Kamera.
Nach dem großen Erfolg von "Ocean's Eleven" war George Clooney auf der Höhe seiner Karriere. Der Star nützte die Gelegenheit für seine ersten Gehversuche auf der anderen Seite der Kamera. Bei "Safecrackers - oder Diebe haben's schwer" der Gebrüder Russo aus dem Jahr 2002 agierte Clooney als Coproduzent, und im selben Jahr legte er mit "Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind" sein Regiedebüt vor.
Es war Clooneys zweiter Film, "Good Night, and Good Luck" von 2005, der ihm am meisten Kritikerlob einbrachte. Der Film über die McCarthy-Ära war im Stile klassischen Politkinos gedreht und profilierte Clooney weiter als einen der führenden Kritiker der Administration von George W. Bush unter den bekennenden Liberalen in Hollywood.
Neben den beiden Fortsetzungen der "Ocean's" Reihe widmete Clooney sich in den letzten Jahren in erster Linie Filmprojekten, an denen er entweder selbst maßgeblich beteiligt war, oder die ihm persönlich wichtig waren, wie z. B. das Anwaltsdrama "Michael Clayton" aus dem Jahr 2007. Für seine Rolle in Tony Gilroys Regiedebüt wurde Clooney für einen Oscar nominiert. Die begehrte Trophäe konnte er bisher allerdings nur einmal gewinnen, als er 2006 für seine Rolle in "Syriana" als bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde.