Jiří Menzel, Jahrgang 1938, gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten tschechischen Regisseure aller Zeiten. Schon in der Grundschule entdeckte er seine Liebe zu Filmen von Chaplin, Clair, Renoir und anderen. Seine Entscheidung fiel dann aber für das Theater. Als ihn die Schule nicht aufnahm, ergatterte er einen der Studienplätze an der berühmten Prager Filmschule FAMU, wo er von 1958 bis 1962 studierte.

Sein Jahrgang war besonders talentiert (er studierte mit Vera Chytilová und Evald Schorm). Menzel gilt als treibende Kraft hinter der tschechischen Nouvelle Vague und als Hoffnung für den tschechischen Film. So führte er gemeinsam mit Jan Nemec, Vèra Chytilová, Evald Schorm und Jaromil Jires Regie bei dem Episodenfilm PEARLS ON THE BOTTOM, der beim Filmfestival Locarno den FIPRESCI-Preis erhielt. Sein erster langer Spielfilm LIEBE NACH FAHRPLAN nach einer Geschichte von Bohumil Hrabal bescherte ihm viele Preise, darunter auch den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film.

Einen Bruch bedeutet die Okkupation des Landes durch die Truppen des Warschauer Paktes 1968. In der folgenden so genannten Periode der "Normalisierung" gehörte er zu den Regisseuren, die vom Filmemachen ausgeschlossen wurden.

Das kommunistische Regime war besonders verärgert durch seine nächste Hrabal-Adaption LERCHEN AM FADEN von 1969, eine subversive Farce über die wahre Natur der Volksdemokratie in der Tschechoslowakei der 50er Jahre. Seine Uraufführung durfte das Werk erst 1990 erleben. Der Film gewann jede Menge Auszeichnungen, darunter auch den GOLDENEN BÄREN in Berlin. Mitte der 70er Jahre führte Menzel Regie bei WHO SEEKS A HANDFUL OF GOLD, eine Beschreibung des Arbeiterlebens. Das gab ihm die Möglichkeit, zwei weitere Hrabal-Romane zu verfilmen: 1980 KURZGESCHNITTEN (Spezialpreis der Jury in Venedig) und drei Jahre später DAS WILDSCHWEIN IST LOS, das ihm endlich wieder kreative Freiheit brachte. 1986 erhielt er eine Oscar-Nomiierung für HEIMAT, SÜSSE HEIMAT nach dem Drehbuch von Zdenek Sverák. Anschließend inszenierte er eine große europäische Koproduktion, die Adaption von Vladimir Voynovitchs Bestseller DIE DENKWÜRDIGEN ABENTEUER DES SOLDATEN IWAN TSCHONKIN (Goldene Senatsmedaille 1993 in Venedig). Menzels Geschichten sind oft Dorfepisoden, Erzählungen aus dem Alltag kleiner Leute, die sich gegen die Mächtigen solidarisieren, was ihm von politischer Seite nicht immer Lob einbrachte.

Lange Zeit konnte Menzel nur noch fürs Theater arbeiten, wie dem Prager Drama Club, das Theater auf der Balustrade oder das Vineyards Theater. Nebenbei wirkte er als Schauspieler und übernahm die Gast-Regie in führenden europäischen Theaterhäusern wie der Comédie Francaise in Paris.

Im Laufe der Jahre sammelte er Preise, u.a. 1967 den Grand Prix in Karlovy Vary für LAUNISCHER SOMMER, 1976 den Silver Hugo in Chicago für DAS EINSAME HAUS AM WALDESRAND, wie auch den CIC Preis in San Sebstian und den FIPRESCI Spezialpreis in Mannheim oder den Spezialpreis der Jury 1991 in Chicago für PRAGER BETTELOPER.
Zu seinen zahlreichen Auftritten als Schauspieler gehören seine Rollen in DER ANGEKLAGTE (der Film brachte den Regisseuren Ján Kadár und Elmar Kloss einen Oscar ein), in Pavel Hobls 30 JUNGFRAUEN UND EIN PYTHAGORAS, Costa-Gavras KLEINE APOKALYPSE oder in Iva Svarcovars AB INS PARADIES. Menzel ist Mitglied der tschechischen Film und Fernseh-Akademie und der Europäischen Film-Akademie sowie der amerikanischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Er erhielt weltweit Ehrungen, darunter auch den Preis für sein Lebenswerk beim San Francisco Filmfestival.